Konflikt, Stress, krank

Erkrankungen aufgrund schlechten Arbeitsklimas?
Wir sind doch hier nicht im Streichelzoo!

Ein geladenes, unfreundliches oder kaltes Arbeitsklima macht doch nicht krank, oder? Mit Uneinigkeit und Konflikten muss man doch professionell umgehen können, oder? Wir sind schließlich auf der Arbeit und nicht im Streichelzoo!

Stimmt.

Wir kommen nicht darum herum, ein gewisses Maß an Unstimmigkeiten und Spannungen aushalten zu müssen, wenn wir unsere alltäglichen Aufgaben meistern und unsere Ziele erreichen wollen. Wir können nicht jedes Mal „ein Fass aufmachen“, wenn wir auf ein Ziel hinarbeiten.

Und stimmt nicht.

Denn unsere Fähigkeit, Unstimmigkeiten und spannungen auszuhalten, hängt nicht nur von unserer Persönlichkeit ab. Sondern auch von unseren Lebensumständen und den Möglichkeiten und unserer Fähigkeit, aufgestauten Frust und Stress auch wieder abzubauen.

Was ist Stress?

Immer, wenn unser Gehirn – und zwar der ganz ganz alte Teil – denkt, wir seien in einer bedrohlichen Situation, veranlasst es die Ausschüttung von Stresshormonen ins Blut. Adrenalin, Nor-Adrenalin und Cortisol. Wir merken das, weil uns heiß wird, unser Herz schneller klopft, evtl. beginnen wir zu schwitzen oder zu zittern. Das Gefühl, dass durch diese Hormoneinflutung entsteht, ist Angst. Oder Wut. Im Arbeitsalltag erleben wir diese Gefühle als Empörung oder Fassungslosigkeit. Manchmal als Enttäuschung oder Überforderung. Oder als grimmige Belustigung über die Unfähigkeit oder Dreistigkeit eines anderen. Wir fühlen uns genervt oder gestresst. …all das sind Anzeichen für Stresshormone im System. Das lässt sich im Blut nachweisen.

Warum machen Konflikte Stress?

Die Stressreaktion startet nich nur in lebensbedrohlichen Situationen. Weil das Stresssystem im ganz ganz alten Teil des Gehirns sitzt und unsere Vorfahren für das Überleben des Einzelnen aufeinander und auf ihre Gruppe angewiesen waren, sind für diesen alten Teil des Gehirns leider auch misslungene zwischenmenschliche Kontakte – nennen wir sie Konflikte – bedrohlich. Obwohl unser Verstand sagt, dass wir nicht daran sterben, wenn ein anderer uns nicht mag, uns blöd findet, über uns lästert oder uns anbrüllt. Wenn wir uns nicht akzeptiert fühlen und nicht anerkannt, wenn unsere Meinung abgebügelt wird, wir nicht ernst genommen werden. Dann steigt automatisch unser Stresshormonspiegel.

Da unsere Vorfahren aber auch auf sich gestellt überleben können mussten, steigt unser Stresspegel auch dann, wenn wir ein Problem nicht lösen können oder Aufgaben machen müssen, die uns unsinnig oder ineffektiv erscheinen.

Warum macht Stress krank?

Stress allein macht nicht krank. Stress ist eine geniale Überlebensstrategie, mit deren Hilfe kurzfristig Energiereserven aktiviert, die körperliche Leistungsfähigkeit und die Konzentration erhöht werden und die uns so beim Lösen unserer Probleme und beim Erreichen unserer Ziele hilft. Die Stressreaktion ist der Grund, warum es uns immer noch gibt und auch so viele von uns.

ABER: Stress muss reguliert werden. D.h., ein hoher Adrenalinspiegel muss nach der Aufregung auch wieder runter. Die Stressreaktion mobilisiert Energiereserven. Und die sind irgendwann alle. Dauerstress führt zum Tode. Das ist kein Witz, sondern wissenschaftlich untersucht. Natürlich nicht sofort, sondern über die Zeit…dauer.

Wenn wir dauerhaft im Stress sind und nicht mehr „runterkommen“ oder „abschalten“ können, dann werden wir krank. Haben wir keine Möglichkeit, unser Nervensystem durch ausruhen, entspannen, genug schlafen, positiven menschlichen Kontakt, Hobbies, etc… zu beruhigen, haben wir zwei Möglichkeiten:

Nr. 1: Weitermachen und krank werden.

Wir müssen entweder zu ungesunden, lebensverkürzenden Stressregulationsstrategien greifen, die jeweils mit eigenen Risiken daherkommen:
Rauchen
Alkohol trinken
Drogen
Übermäßig essen
Etc…
…all das gibt uns das Gefühl der Entspannung. Aber es senkt nicht den Stresshormonspiegel. Jedenfalls nicht nachhaltig und in gesund. Es mildert nur das dazugehörige unangenehme Gefühl (Frust, Empörung, Gereiztheit, Enttäuschung,…).

Nr. 2: Einknicken und krank sein.

Nutzen wir keine der o.g. Strategien oder reichen sie nicht aus, um uns Entspannung vorzugaukeln, wird durch den anhaltenden Stress die Seele „wund gescheuert“, wie ich es nenne. Die Widerstandskraft und Zähigkeit nimmt ab. Die Fähigkeit, belastende (auch zwischenmenschliche) Situationen auszuhalten sinkt kontinuierlich, das Risiko u.a. für folgende Erkrankungen steigt:

Psychische Erkrankungen wie Depressionen, teilweise mit Angststörungen und Panikattacken.

Völlige emotionale und körperlich Erschöpfung („Burn Out“).

Psychosomatische Erkrankungen, d.h. z B. Rückenschmerzen oder Kopfschmerzen ohne körperliche Ursache (obwohl meiner bescheidenen Meinung nach ein dauerhaft zu hoher Stresshormonspiegel schon irgendwie als körperliche Ursache anzusehen ist…).

Daneben werden schon bestehende Erkrankungen, die mit der Stressregulation des Nervensystems zusammen hängen (z.B. Tendenzen zur emotionalen Instabilität, Impulskontrollstörung oder Aufmerkamkeitsstörungen,…) durch Stress noch verstärkt.

Beide Möglichkeiten, Nr. 1: weitermachen und Nr 2.: Einknicken, vermindern nicht nur die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit, sondern können auf Dauer das Leben verkürzen.

Wenn wir das verhindern wollen, MÜSSEN wir aufgebauten Stress regelmäßig wieder abbauen. Oder dafür sorgen, dass gar nicht so viel Stress entsteht. Im Privat- und im Berufsleben.

Dauerstress und Bedürfnisse

Dabei gilt wie oben: Stress allein ist kein Problem. Dauerstress ist das Problem.

Unser Gehirn hat eine super Methode, um zu checken, ob es Zeit ist, Stresshormone ins Blut zu schießen:

Werden die Bedürfnisse eines Menschen erfüllt, sinkt der Stresshormonspiegel.

Werden die Bedürfnisse missachtet oder bleiben unerfüllt, steigt er.

So einfach ist das.

Kollegen, Mitarbeiter und Vorgesetzte, deren Bedürfnisse häufiger erfüllt werden, haben häufiger die Chance auf einen niedrigeren Stresspegel (= kein Dauerstress).

Das können allgemein Bedürfnisse nach Respekt, Anerkennung, Wertschätzung, aber auch ganz konkrete Bedürfnisse nach klaren Vorgehensweisen, funktionierenden und effizienten Abläufen, guten Ergebnissen, nach Verlässlichkeit und danach, beachtet und gefragt zu werden, sein. 
Aber auch ganz individuelle, dass z.B. berücksichtigt wird, dass Mitarbeiter A durch eine Erkrankung nicht so leistungsfähig ist oder Mitarbeiterin B nicht so verfügbar und Punkt 12 weg ist, weil sie alleinerziehende Mutter ist.

Konflikte, Uneinigkeiten und schlechte Stimmung am Arbeitsplatz sind nicht der einzige Faktor für Dauerstress. Aber ein erheblicher. Und damit ein Risikofaktor für Erkrankungen, insbesondere für psychische und psychosomatische. Meist sind Spannungen übrigens eine Folge der strukturellen Bedingungen und nicht einzelner Personen, auch wenn es uns meistens so vorkommt. 

Ein gesunder Arbeitsplatz ist ein schöner Arbeitsplatz.

Und woran merken Sie, ob Ihr Arbeitsplatz ihre Bedürfnisse erfüllt und einen gesunden Ausgleich von Anspannung und Entlastung bietet und damit zu einem Schutz vor oben genannten Erkrankungen beiträgt?

Genau. Sie gehen morgens gern zur Arbeit. Und ihre Kollegen auch.

Und wenn nicht – dann melden Sie sich bei mir.

Mit der Methode der Mediation können die individuellen Bedürfnisse und Interessen aller Beteiligter in Bezug auf die konkrete Problemstellung herausgearbeitet werden, um gemeinsam Lösungen und Abläufe zu schaffen, die sowohl zu den Zielen des Unternehmens als auch zu den Bedürfnissen aller Beteiligte passen und so dazu beitragen, dass Stresspotential nachhaltig zu senken.